Beim Grünen Frauenstammtisch in Stockach stand die Frage im Mittelpunkt, wie Städte gestaltet sein müssen, damit Frauen sich sicher bewegen und wohlfühlen können. Im Austausch mit Saskia Frank, der Grünen Landtagsabgeordneten, diskutierten die 15 Teilnehmerinnen über Mobilität, Sicherheit und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum.
Zum Auftakt zitierte Birgit Deppermann vom Vorstand der Grünen Stockach aus dem Buch „Unsichtbare Frauen“ der britischen Autorin Caroline Criado-Perez. Die zentrale These: Viele gesellschaftliche Strukturen – auch die Stadtplanung – orientieren sich noch immer überwiegend an männlichen Lebensrealitäten.
Tatsächlich wurde Stadtentwicklung lange vor allem auf das klassische Vollzeit-Arbeitsmodell ausgerichtet: Pendeln mit dem Auto von A nach B auf möglichst direktem Weg. Frauen hingegen bewältigten im Alltag häufig sogenannte Wegeketten – etwa von zuhause zum Kindergarten, weiter zur Arbeit und anschließend zum Einkaufen. Sie seien zudem öfter zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Kinderwagen oder im öffentlichen Nahverkehr unterwegs. Gleichzeitig fühlten sich viele Frauen im öffentlichen Raum unsicherer als Männer.
Sicherheit: Technik, Beleuchtung und Zivilcourage
Ein Schwerpunkt des Abends war die Frage, wie sich das Sicherheitsgefühl verbessern lässt. Saskia Frank verwies darauf, dass es Kommunen künftig erleichtert werden solle, an Gefahrenpunkten Videoüberwachung einzusetzen. Die Straßenbeleuchtung in Stockach wurde von den anwesenden Frauen insgesamt positiv bewertet.
Praktische Hinweise gab es ebenfalls: Viele Smartphones verfügen über eine SOS-Funktion, mit der im Notfall automatisch Hilfe gerufen oder der Standort an Vertrauenspersonen übermittelt werden kann. Zudem steht bundesweit rund um die Uhr das kostenlose Hilfetelefon unter 08000 116 016 zur Verfügung.
Marina Steiner vom Verein „Frauen helfen Frauen“ betonte die Bedeutung eines selbstbewussten Auftretens gegenüber etwaigen Angreifern. Auch Selbstverteidigungskurse könnten helfen, im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.
Wie wichtig Zivilcourage ist, zeigte der Bericht einer Teilnehmerin: In einer unangenehmen Situation im „Seehas“ hätten Mitreisende zwar alles bemerkt, aber nicht eingegriffen. Schon eine kleine Geste der Unterstützung – etwa sich dazuzusetzen – hätte die Lage ihrer Einschätzung nach entschärfen können. Mehr Aufmerksamkeit und Solidarität der Mitmenschen seien daher entscheidend.
Stadt der kurzen Wege – mit Verbesserungsbedarf
Grundsätzlich sehen viele Teilnehmerinnen Stockach als Stadt der kurzen Wege. Vieles lasse sich bequem zu Fuß erledigen. Kritisch wurde jedoch das Parken auf Gehwegen angesprochen. Wenn Autos den Weg blockieren, müssten Eltern mit Kinderwagen oder ältere Menschen mit Rollator auf die Fahrbahn ausweichen.
Bedauert wurde zudem die Einstellung der Rißtorf-Buslinie, mit der Kinder aus Hindelwangen früher sicher zur Schule gelangen konnten. Als mögliche Alternative wurden sogenannte „Lauftaxis“ ins Spiel gebracht: Eltern begleiten dabei im Wechsel Gruppen von Kindern zu Fuß zur Schule. Das fördere Bewegung und Verkehrssicherheit gleichermaßen.
Die Radwege aus den Ortsteilen in Richtung Innenstadt bewerteten die Frauen positiv. Innerhalb der Kernstadt wurde die Situation differenzierter gesehen. Verbesserungen wie der Radweg in der Dillstraße und der Fahrradschutzstreifen in der Tuttlinger Straße wurden anerkannt. An anderen Stellen seien jedoch Umwege nötig oder Radfahrende müssten sich die Fahrbahn mit Autos teilen.
Mehr Aufenthaltsqualität gewünscht
Neben Sicherheitsfragen spielte auch die Aufenthaltsqualität eine zentrale Rolle. Gewünscht werden mehr Sitzmöglichkeiten abseits des Autoverkehrs, schattenspendende Bäume und Grünflächen sowie Spielmöglichkeiten für Kinder in Sichtweite. Auch öffentliche Toiletten in der Nähe seien wichtig. Solche Orte stärkten Begegnung und Austausch.
Zum Abschluss des Abends wurde betont, dass Frauen stärker an der Stadtplanung beteiligt werden sollten. Sie nutzten die Stadt täglich und brächten daher wichtige Perspektiven ein. Im Rahmen des aktuellen Bürgerbeteiligungsprojekts im Honold-Haus konnten die Teilnehmerinnen ihre Ideen für die Gestaltung der Oberstadt direkt einbringen.
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