Bündnis 90/ DIE GRÜNEN

Kreisverband Konstanz

Fahrradparkhaus ja!

Informationen zum Bürgerentscheid am 29. November 2026

Fahrradparkhaus? -- eine Erörterung

September 2026: Vorab: es geht nicht einfach um ein neues Fahrradparkhaus am Konstanzer Bahnhof. Die Deutsche Bahn ersetzt in jedem Fall die Ladenzeile entlang des Bahnhofsplatzes durch einen zweistöckigen Neubau. Es geht für uns nur um die Frage, ob die Stadt das obere Stockwerk als Fahrradinfrastruktur einrichten und betreiben möchte. Eine Radstation für das sichere Abstellen von 700 Fahrrädern sowie weitere Dienstleistungen rund ums Rad.

Gehen wir die Argumentation anhand viel genannter Fragen an:

Brauche ich das?

Viele aus Konstanz denken an den Fall, dass sie mit dem Rad in die Stadt fahren, eben schnell in ein oder zwei Läden geplante Einkäufe verrichten, und dann wieder heimradeln. Dafür ist die geplante Radstation nur bedingt geeignet. Man wird auch weiterhin sein Rad in der Stadt frei abstellen dürfen. Das ist gesetzlich verbrieft.

Neben den Gelegenheitsnutzern zählen zu den großen Zielgruppen Ein- und Auspendlerinnen, Anwohner und Touristinnen. Nach Erfahrungen aus anderen Radstationen an Verkehrsknotenpunkten sowie nach Erhebungen und Studien der Stadtverwaltung werden hierfür 1 000 Stellplätze benötigt.

Zudem ist es zu kurz gedacht, wenn man nur die aktuellen Anwendungsfälle betrachtet. Eine solche Radstation verändert auch das Verhalten der Menschen. Sie macht es attraktiv, das Auto öfter mal stehen zu lassen und das E-Bike für ein paar schöne Stunden im Zentrum sicher abzustellen. Gäste der Innenstadthotels können jetzt einfacher ihr Rad mitbringen. Pendler, die derzeit mit einem schrottreifen Zweitrad vor dem Bahnhof parken, werden zukünftig ihr Edel-Bike nutzen können. Und viele, die jetzt laut „Ich brauch das nicht!“ rufen, werden gerne vor der nächsten Fahrt mit Katamaran oder Städteschnellbus, an Konzilsveranstaltungen oder am Weihnachtsmarkt ihr Fahrrad dort abstellen.

Die neue Radstation ist vor allem ein Infrastrukturprojekt für die Weiterentwicklung zu einer modernen Stadt.

Die Kosten

Die Investitionskosten für die Stadt betragen ca. 3,6 Mio. Euro. Umgelegt auf Abschreibung und Zinsen, zuzüglich laufender Einnahmen, Ausgaben und Instandhaltungsrücklagen bedeutet das jährliche Kosten von anfangs ca. 374 000 Euro, die über drei Jahrzehnte kontinuierlich abnehmen. Das entspricht einem Promille des Haushalts der Stadt, oder jährlich 4,40 Euro je BürgerIn. Einmal im Jahr mit dem Auto in die Stadt fahren ist schon teurer.

Die 3,6 Mio. sind eine ausgezeichnete Geldanlage. Die Stadt kauft von der Deutschen Bahn (InfraGO) die Hälfte eines Grundstücks in allerbester Lage für 13 Prozent des Marktwerts. Also 13 zahlen und 50 bekommen. Nach Bau und Inbetriebnahme besitzt die Stadt (bzw. die Stadtwerke-Tochter KMG) eine Immobilie, die geschätzt 10 Mio. Euro und mehr wert ist. Dies im Wesentlich dank des günstigen Grundstückskaufs, der 1A-Lage und der hohen Projekt-Zuschüsse. Jeder Immobilieninvestor würde sich die Finger danach lecken. Wenn die Stadt in finanziell angespannten Zeiten rentabler wirtschaften soll, dann ist die Radstation eine ausgezeichnete Chance dafür.

Nur im Vergleich zu Autoparkhäusern: Die städtischen Autoparkhäuser sind für sich betrachtet rentabel, auch wenn aufwändige, langwierige Reparaturen, wie derzeit am Augustinerplatz, zu viel Unmut und hohen Zusatzkosten führen. Doch zahlt die Stadt auch jährlich 500 000 Euro für Verkehrskadetten, hat gerade ein neues digitales Verkehrsleitsystem für 5 Mio. Euro bestellt, von Millionen fressenden Reparatur- und Wartungskosten an maroden Straßen und Ampelanlagen nicht zu schweigen. Diese enorme Finanzlast stemmt die Stadt, obwohl nicht einmal jeder fünfte Verkehrswege in Konstanz mit dem Auto vorgenommen wird.

Bereits heute werden 40 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad vorgenommen. Damit liegt Konstanz deutschlandweit ganz vorne. Bei der Investition in Fahrradinfrastruktur liegt Konstanz aber im Vergleich sehr weit hinten. Hier muss dringend aufgeholt werden. Je mehr Konstanz dafür investiert, und je öfter dadurch Autos auch mal stehen gelassen werden, umso mehr sinken die Kosten für Bau und Wartung von Straßen, Ampeln und Verkehrslenkung: Ein enormes Einsparpotenzial.

Alternativen

Zentralisierung birgt Risiken. Wären viele kleine Radstationen über die Stadt verteilt nicht besser, und im doppelten Sinne naheliegender?

Die Stadtverwaltung hat in der Planungsphase viele Alternativen geprüft. Doch mehrere kleine Immobilien sind teurer. Infrastruktur wie Ausschilderung, Zahlsysteme, Wartungsdienste etc. fallen dann mehrfach an.

Ein Fahrradparkhaus auf dem Mittelstreifen der Laube? Dort besteht praktisch kein Bedarf, denn sonst würden da schon jetzt viele Fahrräder stehen.

Und auf dem Augustinerplatz? Wo sollen sich dann die Menschen aufhalten und Feste gefeiert werden?

Eine konsequente Fahrradparklösung am Bahnhof ist schon wegen der dort völlig überlaufenen Abstellsituation dringend angeraten.

Die Frage, ob die Radstation am Bahnhof die letzte in der Stadt sein wird, hängt natürlich mit dem weiterwachsenden Bedarf zusammen. Zum Beispiel drängen sich dort, wo Quartiersparkhäuser für Autos entstehen sollen, zusätzliche Radstationen geradezu auf.

Was bringt’s dem Klimaschutz?

Die Radstation wird die weit hinter Plan liegenden Konstanzer Klimaschutzziele nicht retten. Doch im Verkehrssektor, der für ein Viertel der städtischen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, sind die Emissionen in den letzten Jahren sogar gestiegen. Maßnahmen wie die Einschränkung des öffentlichen Parkraums für Autos und die Erhöhung von Parkgebühren sind naturgemäß unbeliebt. Darum braucht es Pull-Strategien, also Maßnahmen, die Alternativen zum Auto attraktiv machen. Die Radstation ist ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung einer Mobilitätskultur, die kostengünstig, gesund, mitmenschlich und klimafreundlich ist.

Die Stadt Konstanz hat übrigens 2025 etwa 9 der 20 für Klimaschutz vorgesehenen Millionen Euro nicht abgerufen. Es fehlt an Ideen, Konzepten und Personal. Die Radstation bietet sich da geradezu an.

Nebenbei: Ein Neubau ist zunächst immer eine CO2-intensive Klimalast, so auch eine Radstation. Doch das zweistöckige Gebäude wird in jedem Fall gebaut. Seine Widmung als Radstation ist für das Klima wesentlich günstiger, als die Alternative, nämlich die Nutzung als weitere Konkurrenz für Einzelhandel und Gastronomie. Entsprechend ist auch der Konstanzer Einzelhandelsverband Treffpunkt ein Unterstützer des Projekts.

Zusammengefasst

Die geplante Radstation am Konstanzer Bahnhof ist weit mehr als ein Fahrradparkhaus: Sie bietet 700 sichere Stellplätze sowie zusätzliche Serviceangebote. Sie fördert den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad und dient als zukunftsweisende Infrastrukturmaßnahme für Pendlerinnen, Touristen und Anwohnerinnen. Die Investition von rund 3,7 Millionen Euro ist wirtschaftlich hochrentabel. Das Projekt ist eine sinnvolle und klimafreundliche Investition, die die Mobilität langfristig verbessert, städtische Folgekosten im Autoverkehr senkt und die Entwicklung Konstanz' zur fahrradfreundlichen Stadt unterstützt.

Aufruf

Die Mitgliederversammlung unseres Ortsverbands Konstanz hat sich einstimmig für das Fahrradparkhaus ausgesprochen. Dies wollen wir auch in den nächsten Wochen mit einer Wahlkampagne bekräftigen. Wenn du dich beteiligen möchtest, so melde dich bei uns: schreib eine E-Mail an  konstanz(at)gruene-konstanz.de.

Stimmungen

Fiktive Stimmen:

"Jeden morgen radel ich zu nachtschlafener Zeit mit meinem alten Schrottrad zum Bahnhof, und schließe es dort an einen der Bügel, bevor ich in den Zug zu meiner Arbeit steige. Ich hab neulich ein neues Rad gekauft, aber das getraue ich mich nicht, den ganzen Tag dort stehen zu lassen. So muss ich mit dem alten Drahtesel los. Jetzt wird es bald wieder Winter, und ich hasse es, wenn ich abends bei Regen auf dem Heimweg aus dem warmen Zug steige, und mich dann auf den nassen Sattel setzen muss. Schnee ist noch schlimmer."

"Ich hab immer gedacht, ich brauche so ein Fahrradparkhaus nicht. Was soll die Stadt so viel Geld dafür ausgeben! Aber letzte Woche haben wir einen Tagesausflug mit dem Katamaran nach Friedrichshafen gemacht. Unsere Fahrräder haben wir auf der Marktstätte gelassen. Abends waren wir froh, dass sie noch dastanden, wenn auch etwas zugeparkt. Noch im Katamaran nach Konstanz hat mir jemand vorgerechnet, dass das Bau und Betrieb des Fahrradparkhaus jeden Konstanzer gerade mal gut 4 Euro im Jahr kostet. Und das sollen wir uns nicht leisten können? Das ist ja billiger als einmal Bus fahren."

"Wieso reden eigentlich alle immer von Kosten? Es macht doch einen großen Unterschied, ob man Geld einfach ausgibt, oder investiert, und anschließend etwas wertvolles besitzt. Die Stadt zahlt 3,7 Millionen Euro, und besitzt anschließend ein Sahnestück in bester Lage, das bestimmt 10 Millionen und mehr wert ist. Wer kann denn da nein sagen?"